Dr. Marker oder Die Macht des Zeichnens

Wie ergeht es Ihnen bei Vorträgen? Wie lange können Sie aufmerksam zuhören? Wovon hängt das ab? Was fesselt Sie?

Wie spannend der Live-Umgang mit Stiften auf Zuhörer wirkt, konnte ich vor einiger Zeit als Patientin in einer mehrwöchigen ambulanten Reha beobachten. Dabei wurden neben therapeutischen Maßnahmen auch diverse Informationsvorträge angeboten – zum Beispiel zu medizinischen oder ernährungswissenschaftlichen Themen. Wie so oft waren es meistens PowerPoint-Vorträge.

Doch ein Arzt benutzte Flipchart und Stifte. »Dr. Marker« (so nenne ich ihn hier mal) redete frei, ohne Manuskript, und begleitete seine Vorträge mit spontan erstellten Zeichnungen am Flipchart – Aufbau eines Kniegelenks, Wirbelsäulenschäden, wie funktioniert eine Hüftprothese et cetera. Gleichzeitig interagierte er auch intensiv mit dem Publikum.
Der Unterschied zu den PowerPoint-Vorträgen war erstaunlich: Wirkten dort die Zuhörer meist eingelullt und gelangweilt, hörten sie hier höchst aufmerksam zu – und zwar die ganze Zeit! –, stellten mehr Zwischenfragen oder beantworteten umgekehrt Dr. Markers Fragen bereitwillig.

Dabei war Dr. Marker keinesfalls ein begnadeter Zeichner. Seine flotten Skizzen von Knochen und Prothesen waren ganz einfache Visualisierungen, keine Kunstwerke. Sie zeigten das Wesentliche und unterstützten den gesprochenen Text, nicht mehr. Allein die Tatsache, dass er live zeichnete und frei redete, machte Dr. Markers Auftritt deutlich spannender und lebendiger als die PowerPoint-Vorträge. Der Mann wusste, wovon er sprach, und konnte das überzeugend rüberbringen. Das Publikum folgte ihm mit den Augen und hing buchstäblich an seinen Lippen.
Nach Meinung meiner Mitpatienten waren seine Vorträge »richtig gut« oder »viel besser als die anderen« und Dr. Marker wurde als  »sehr kompetent« eingeschätzt.

Visualisierung fesselt die Zuhörer, Visualisierung schlägt PowerPoint, Visualisierung wirkt und überzeugt!